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Von der Eigenschaft zur “trainierbaren” Kompetenz


Ziel des Coachings ist die Stärkung der persönlichen Widerstandskraft, der sog. Resilienz. Als Resilienz wird dabei die Kompetenz bezeichnet, unter Belastung aus eigenen Fehlern zu lernen, lösungsorientiert und positiv mit der Situation umzugehen und gestärkt aus der vermeintlichen Krise hervor zu gehen. Coaching ist aus meiner Sicht sehr gut geeignet, Menschen in krisenhaften Situationen zu unterstützen und zu stärken. Körper, Geist und Seele in Balance bringen. Die eigenen Ressourcen wieder aktivieren, Spaß privat und in der Arbeit haben. Klare Prioritäten setzen, mit Motivation und Leidenschaft den Beruf ausüben. Die Themen, die Menschen bewegen, die überlastet sind oder eine psychische Erkrankung durchlebt haben, sind vielfältig. Es geht darum, sehr achtsam mit sich selbst zu sein. Und dabei kann ein Coach helfen.

Resilient ist, wer die emotionale Stärke aufbringt, sich von Stress und Krisen nicht brechen zu lassen, sondern daraus zu lernen und gerade durch die Leiderfahrung über sich hinauszuwachsen. Der Bambus als Pflanze steht als Sinnbild für Resilienz. Auch er bricht nicht unter schweren Schneelasten, ist hart und stabil und dennoch flexibel.

 

Als Psychologin war ich lange Zeit der Überzeugung, dass Resilienz eine stabile Persönlichkeitseigenschaft ist. Hintergrund dieser Überzeugung waren für mich die wissenschaftlichen Studien, die sich mit dem momentan so populären Phänomen beschäftigt haben. Beispielsweise die legendäre Längsschnittstudie von Emmy Werner, die sog. Kauai-Studie. Hier wurden 700 hawaiianische Kinder über 40 Jahre lang (!) begleitet. Emmy Werner fand dabei heraus, dass eines von drei Kindern, das in ungünstigen Lebensbedingungen aufwuchs, keine Beeinträchtigungen im späteren Leben aufwies. Trotz Gewalt, Armut, Trennung der Eltern oder geringer Bildung. Bei den anderen 2/3 waren bereits im Alter von 10 Jahren Verhaltens-, Lern- und psychische Probleme sowie Delinquenz zu beobachten.

 

Durch die Neurowissenschaften ist nun mittlerweile belegt, dass Aspekte der Resilienz durchaus trainierbar sind. Neuronale Autobahnen können immer wieder neu verlegt werden, unser Gehirn ist dynamisch vernetzt und bis ins hohe Alter lernfähig. Allerdings braucht es dazu auch einen ausreichenden Grund. Das kann eine starke emotionale Aktivierung oder ein bestimmter hormoneller “Stress-Cocktail” sein, den ein Ereignis bei uns auslöst.

 

Aus diesen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen und aktuellen Studienerkenntnissen lässt sich ableiten, dass bestimmte Aspekte der Resilienz durchaus erworben werden können. Meist erfolgt dieses Lernen allerdings aus der Krise heraus. Im Alltag, wenn alles ganz wunderbar läuft, sehen wir als Menschen meist nicht die Notwendigkeit, uns zu reflektieren, zu verändern, zu entwickeln. Und erst recht nicht dann, wenn uns jemand “auf ein Seminar schickt”. Insofern lässt sich für den Aufbau von resilienten Verhaltensweisen schlussfolgern:

  • In Vorträgen über das Thema informieren und dafür sensibilisieren: ja. Ob  Menschen durch Vorträge tatsächlich ihr Verhalten ändern, bezweifle ich.
  • In Trainings/ Seminaren Resilienz aufbauen: nur bedingt möglich, weil wir präventiv selten wirklich tätig werden. Es fehlt der Anlass oder die Einsicht.
  • Im individuellen Coaching zur Begleitung einer belastenden Phase: Ja! Aus meiner Sicht kann ein Coach den Prozess, die eigenen Ressourcen wieder zu aktivieren und gezielt einzusetzen, sehr gut unterstützen.

 

Die sieben Säulen der Resilienz

Was macht denn nun ein “resilienter” Mensch anders? Die angewandte Forschung hat über die letzten Jahre sieben Faktoren herausgefiltert, die Personen charaktierisieren, die trotz gravierender Belastungen psychisch gesund bleiben.

  • Akzeptieren, was sich momentan nicht ändern lässt
    Tatsachen akzeptieren, eigene Emotionen zulassen, achtsam mit sich sein
  • Optimistisch-realistisch sein
    Positive, proaktive Grundhaltung, Misserfolge nicht verallgemeinern und neue Anläufe wagen – aber nicht alles schönreden!
  • Lösungen suchen
    Sich an eigenen Zielen immer wieder ausrichten, Hindernisse als Chance sehen
  • Verantwortung für mich übernehmen
    Was bin ich mir wert? Grenzen setzen, wahren und wieder lösen; eigene Stärken und Ressourcen bewusst machen; tragfähiges Sinnkonzept
  • Die Opferrolle verlassen (Selbstwirksamkeit)
    Realistische Einschätzung des eigenen Anteils, Verantwortung übernehmen – aber nicht alles aufhalsen!
  • Netzwerke aufbauen
    Vorbilder identifizieren, gute Beziehungen privat und im Job aufbauen und pflegen, soziale Unterstützung durch Familie und Freunde nutzen
  • Die Zukunft planen
    Persönlich sinnvolle Ziele setzen; vorausschauend planen und Alternativen mitbedenken

 

Wenn wir uns diese Liste ansehen, gibt es zahlreiche Aspekte, die nicht fest in der Persönlichkeit verankert sind, sondern aktiv erworben werden können.

Ihr Resilienz-Quotient

Falls Sie Lust haben, Ihren persönlichen “Resilienz-Quotienten” zu ermitteln, finden Sie online mittlerweile zahlreiche kostenfreie Fragebögen. Ein fünf-faktorielles Verfahren, das einigermaßen valide ist, finden Sie unter www.psychometrictest.org.uk/resilience-test/.

 

 

Als Psychologin und Coach unterstütze ich Klienten bei der Prävention oder Bewältigung von belastungsbedingten psychischen Erkrankungen sowie bei der beruflichen Wiedereingliederung nach Abwesenheit durch Krankheit. Dabei kann es sinnvoll sein, das Coaching parallel zu einer ambulanten Psychotherapie durchzuführen.

Für mehr Informationen und ein erstes Gespräch freue ich mich auf Ihre Kontaktaufnahme.

 

Herzliche Grüße

Nicole Hövel

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Nicole
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